Kanutour in Schweden
Ein Blogbeitrag von Joana mit Yuma
Kanutour 2025 7 Tage unterwegs in der Wildnis Schwedens
So eine Reise war immer unser Traum. Doch da zu so einer Reise viel Vorbereitung, Wissen und Equipment gehören, blieb es lange nur ein Traum – bis Celina mit ihren Gipfelpfoten genau so eine Reise im Angebot hatte.
Wir starteten zu Hause mit unserem Campervan, fuhren über Dänemark und die Öresundbrücke nach Schweden bis zum Treffpunkt am Kanu-Camp in Säffle Kommun, wo Celina schon auf uns wartete. Nach und nach trudelten alle Teilnehmer ein, sodass wir am Abend mit Celina insgesamt acht Personen und sieben Hunde waren.
Der Kanu-Camp-Inhaber Stefan nahm uns ebenfalls sehr herzlich in Empfang und war immer für ein kleines Gespräch zu haben.
Den ersten Abend verbrachten wir noch beim gemütlichen Grillen im Kanu-Camp, bauten zur Probe schon einmal die Zelte auf, checkten das Equipment und lernten uns und die Hunde kennen. Schnell stellte sich heraus, dass wir eine lustige, bunte Truppe sind, die mit Sicherheit viel Spaß in der nächsten Woche haben würde.
Nachdem alle die erste Nacht gut überstanden hatten, packten wir am Morgen alles zusammen. Stefan transportierte unser gesamtes Equipment und die Kanus zum Einstieg am See, während wir mit den Hunden die etwa drei Kilometer vom Kanu-Camp dorthin wanderten. Am See angekommen gab es von Stefan noch eine Einweisung ins Kanufahren und ein paar letzte Tipps – und dann ging es auch schon los. Wir beluden die Kanus, ließen sie ins Wasser, stiegen ein und starteten unsere ersten Paddelversuche. Einigen fiel es leicht und sie waren sofort ein eingespieltes Team, andere hatten anfangs Probleme mit der Lenkung und dem richtigen Rhythmus, aber hier war Celina immer zur Stelle – mit Hilfestellungen und Aufmunterungen. Auch die Hunde reagierten unterschiedlich. Einige benahmen sich, als hätten sie nie etwas anderes gemacht, während andere erstmal ganz aufgeregt waren und nichts so richtig mit ihrer Situation anzufangen wussten. Alle gewöhnten sich aber schnell an die neue Situation und entspannten immer mehr. Wahrscheinlich auch, weil Beat – später nur noch „Beat Box“ genannt –, Celinas Hund, die schönsten Shantys sang.
Tag 1 war grundsätzlich erstmal dafür geplant, sich ans Kanu zu gewöhnen, so paddelten wir etwa zwei Stunden, übten das Lenken und legten dann schon an einer Insel an, um unser erstes Camp aufzubauen. Jeder suchte sich einen Zeltplatz, übte sich im Zeltaufbauen und schaute dann, wo noch Hilfe benötigt wurde. Als alle Zelte und Hängematten standen – ja, zwei Personen haben tatsächlich in Hängematten geschlafen – bauten wir gemeinsam den Gemeinschaftsbereich mit Kochstelle, Lebensmitteln, Chill-out-Area etc. auf. Weiter ging es mit dem Wasserfiltern, was uns den Rest der Woche täglich gefühlte Stunden begleiten sollte, und der Zubereitung eines kleinen Mittagssnacks. Es fing alles noch etwas holprig an, jeder musste erstmal schauen, was zu tun war und wo er gebraucht wurde – aber es war ja auch erst der Anfang unserer Tour. Celina hatte für uns eine wahnsinnige Auswahl an Essen und Snacks im Gepäck. Mit so einer vorzüglichen Küche hätte niemand von uns in der Wildnis Schwedens gerechnet.
Nachdem jeder satt war, war erstmal Free Time angesagt. Alle konnten ein bisschen dem nachgehen, worauf sie Lust hatten, wir gingen mit unseren Hunden los, um die Insel zu erkunden. Es ging über Stock und Stein, durchs Gebüsch und Unterholz – Wege gab es keine. Es war einfach urig und die Hunde genossen es, ein bisschen zu laufen. Abends trafen wir uns alle wieder im Lager zum gemeinsamen Kochen. Jeder hatte seinen Teil zu tun: Gemüse schnibbeln, Wasser filtern, kochen, Holz sammeln, Feuer machen usw. Der erste Abend endete am Lagerfeuer mit einem traumhaften Blick auf den See, guten Gesprächen und lustigen Spielen, irgendwann war dann jeder müde und verschwand in seinem Zelt.
Tag 2 begann mit Frühstück in Form von Porridge mit diversen Toppings. Wir mussten feststellen, dass es schlauer gewesen wäre, abends schon Wasser zu filtern, denn für Porridge, Kaffee und Tee braucht man für acht Personen eine Menge Wasser, aber wir lernten jeden Tag etwas dazu. Nach dem Frühstück in atemberaubender Natur ging es ans Zusammenpacken, jeder baute sein Zelt ab, gemeinsam wurde das Gruppenlager abgebaut, die Kanus beladen und nachdem die Hunde noch eine Runde Gassi waren, ging es wieder aufs Wasser und weiter zum nächsten Spot. Wie weit und wohin, ließen wir offen. Nachdem wir wieder gut zwei Stunden gepaddelt waren, fanden wir eine nette Stelle für unser Mittagessen, außerdem wollten die Hunde sich wieder ein bisschen die Füße vertreten. Wir legten an, tranken einen Shake, aßen ein paar Riegel und gingen mit den Hunden spazieren.
Als wir gerade wieder los wollten, fing es heftig an zu regnen. Zunächst stellten wir uns unter – in der Hoffnung, dass der Schauer schnell vorbeiziehen würde, dann war aber abzusehen, dass es nicht so schnell vorbei sein sollte, sodass wir beschlossen, an diesem Spot zu übernachten. Auch wenn wir noch viel später hätten weiterfahren können, da es im Sommer in Schweden nicht wirklich dunkel wird, hatten wir aber Lust zu bleiben. Also luden wir kurzerhand die Kanus aus, als es etwas weniger regnete, und bauten unser Lager auf. Glücklicherweise hörte der Regen irgendwann auf und wir konnten die Gegend noch ein bisschen erkunden. Dabei stellten wir fest, dass wir diesmal am Festland angelegt hatten und sogar ein paar Wege zum Spazierengehen hatten. Gegen Abend kamen wir wieder alle im Camp zusammen, zum Kochen und zu quatschen. Es gab erneut ein hervorragendes Menü zum Essen.
Den Abend verbrachten wir gemeinsam im Camp und genossen die wunderschöne Natur und die Ruhe, die Schweden zu bieten hat. Ein paar von uns beschlossen, nochmal mit den Kanus rauszufahren und zu angeln. Nach kurzer Zeit – was für ein Glück – biss tatsächlich ein Hecht an und wir sahen schon einen leckeren gegrillten Fisch über dem Lagerfeuer. Aber der Hecht hatte andere Pläne, kämpfte und verschwand samt unserem Köder im See, leider war es der einzige Köder, den wir dabeihatten und der auf Hecht ausgelegt war. Ich kenne mich damit nicht so aus, aber mit einem normalen Haken kann man da wohl nichts anfangen, da es sich um einen Raubfisch handelt, der jagen will. Wir probierten dann noch mit Frolic am Haken – jeder gute Hundemensch hat natürlich Frolic dabei – einen Köderfisch zu angeln. Leider erfolglos. Schwedens Fische mögen wohl kein Frolic, so mussten wir unseren Traum vom frisch gegrillten Fisch begraben.
An Tag 3 war das Wetter zunächst besser, wir wurden als Team immer eingespielter und unser gesamter Ablauf routinierter. Jeder hatte seine Aufgaben gefunden und tat sein Bestes, um die Gruppe zu unterstützen. Nach dem Frühstück wurde wieder zusammengepackt und es ging weiter. Zum Mittag hielten wir erneut in einer kleinen Bucht, konnten nach der Pause aber weiterfahren. Zwischendurch hatten wir mit viel Nieselregen und Wind zu kämpfen, was uns den Spaß an der Fahrt aber nicht nahm. Wir veranstalteten sogar kleine Wettrennen im Kanu und eine Mini-Insel-Eroberung. Gegen Nachmittag fanden wir einen traumhaften Spot auf einer Insel.
Das Wetter besserte sich gegen Abend, sodass wir dicke Jacken, Mützen, Schals, Handschuhe und sogar Hundemäntel ausziehen konnten und den Abend genießen durften. Und was für ein Glück: Wir fanden einen angespülten, leicht kaputten Hechtköder. Wir entwickelten neue Fähigkeiten, reparierten den Köder mit den Mitteln, die wir hatten, und hatten plötzlich wieder eine Chance auf frischen Fisch. Die musste natürlich genutzt werden. Zu dritt gingen wir los – mit der Mission, mit einem Hecht zurückzukommen. Wir hatten wieder Glück, nach kurzer Zeit biss erneut einer an. Dieser kämpfte wie ein Großer und verschwand ebenfalls samt Köder im See, also wieder nichts mit Fisch. Köder weg. Sollte wohl einfach nicht sein.
Tag 4 startete mit Sonne. Wir konnten es kaum glauben. Das Wasser glitzerte herrlich und ich muss sagen: Ich hatte noch nie ein schöneres Badezimmer als diese kleine Bucht mit glasklarem, in der Sonne funkelndem Wasser, einfach wunderschön. Weiter ging unsere Tour – wieder ohne Ziel und Zeitdruck. Zwischendurch erwischte uns ein heftiger Regenschauer auf den Kanus, den auch die Hunde nicht besonders lustig fanden. Zum Glück verschwanden die Regenwolken recht schnell und die Sonne strahlte wieder mit voller Kraft, sodass wir aufpassen mussten, keinen Sonnenbrand zu bekommen. Die Hunde hatten sich inzwischen alle super ans Kanufahren gewöhnt und genossen es sichtlich, durch die Gegend gefahren zu werden. Heute mussten wir sehr lange suchen, bis wir einen schönen Spot auf einer Insel fanden. Wir waren langsam alle ziemlich k.o. vom Paddeln, dafür wurden wir dann aber mit einem wunderschönen Übernachtungsplatz belohnt.
Das Wetter war inzwischen so gut, dass wir beschlossen, das Camp erst später aufzubauen und erstmal baden zu gehen und uns richtig zu waschen. Sieben von uns acht gingen mutig ins wirklich arschkalte Wasser, sogar der ein oder andere Hund begleitete unsere Schwimmsession. Celina bekam von ihrer Garmin-Uhr sogar die Auszeichnung fürs Eisbaden – das zeigt, wie kalt es war. Trotzdem war es traumhaft und nach dem Schwimmen waren wir alle wieder frisch und munter. Wir bauten das Camp auf und errichteten ein Lagerfeuer, an dem wir den Abend mit super leckerem Stockbrot verbrachten und uns gleichzeitig den Sonnenuntergang an. Im Hintergrund waren Elche zu hören – leider waren keine zu sehen.
So langsam war der Punkt gekommen, an dem wir alle das Gefühl für Raum, Zeit, Alltag und Stress verloren hatten. Es war einfach pure Entspannung für Körper und Seele. Auch die Hunde waren von den ganzen Eindrücken inzwischen so erschöpft, dass sie nicht einmal mehr groß spazieren gehen wollten. Tag 5 begann ebenfalls mit Sonnenschein und inzwischen hatten wir alle den Rhythmus aus Aufbauen, Abbauen, Wasser filtern, Holz suchen und Feuer machen verinnerlicht. Als wir die Insel verließen, stellten wir fest, dass wir mächtigen Gegenwind hatten, da der Wind gedreht hatte. Wie gemein – jeden Tag paddelten wir gegen den Wind und freuten uns schon auf den Tag, an dem es zurückgehen würde und wir endlich mit Rückenwind fahren könnten. Aber nein – die Natur war gegen uns. So hatten wir heute die längste und anstrengendste Tour vor uns: starker Gegenwind und Wellen, die zeitweise ins Kanu schwappten. An unserem Mittagsstopp waren wir alle schon ziemlich fertig, aber wir mussten weiter, da der Platz zum Campieren ungeeignet gewesen wäre. Ziel war eine kleine Mini-Insel in Grums Kommun, wir waren alle unglaublich froh, als wir endlich ankamen. Da die Insel so klein war, beschlossen wir, auf der einen Seite unsere Zelte aufzubauen, in der Mitte den Gemeinschaftsbereich einzurichten und auf der anderen Seite unsere Toilettenbereich zu haben.
Die Insel war wirklich winzig – geschätzt etwa 130 x 40 Meter. Auf der einen Seite ein kleiner, flacher Sandstrand, fast wie in der Karibik. Auf der anderen Seite ein felsiger Abgrund und raue See wie ein aufgewühlter Atlantik. Es war beeindruckend, dass man auf der einen Seite im Bikini liegen konnte und auf der anderen Jacke und Mütze brauchte, weil der Wind so kalt war. Als wir unser Abendessen vorbereiteten, sahen wir plötzlich ein anderes Kanu, das an unserer Insel anlegen wollte – die ersten Menschen, die wir seit Tagen gesehen hatten. Wir waren ehrlich gesagt nicht begeistert. Sie legten tatsächlich an und bauten ihr Camp ausgerechnet in unserem „Klo“ auf, na toll. Aber nun gut – so war es eben. Wir und die Hunde waren ohnehin schon Gassi gewesen. Ansonsten bekamen wir von unseren Mitbewohnern kaum etwas mit, als wir am nächsten Morgen die Insel verließen, schliefen sie noch.
Wir fuhren weiter Richtung Ausgangspunkt und fanden an Tag 6 eine weitere tolle Insel mit herrlichem Sandstrand. Dort angekommen, gingen wir in kleinen Gruppen spazieren und ließen die Hunde – je nachdem, wie gut sie sich verstanden – miteinander spielen. Wir genossen den letzten Tag in vollen Zügen. Das Wetter war noch einmal herrlich, die Sonne strahlte vom Himmel und so kam Celina kurzerhand auf die Idee, die Isomatten als Luftmatratzen umzufunktionieren. So schipperten ein paar von uns gemütlich auf dem immer noch bitterkalten Wasser. Es war einfach traumhaft schön – ein weiterer unvergesslicher Tag. Wir genossen das letzte tolle Abendessen am Strand und am Wasser, bei allen machte sich langsam Wehmut breit. So richtig hatte niemand Lust, zurück in die Zivilisation zu kommen.
Wir fühlten uns alle unglaublich frei und geerdet. Aber alles Schöne hat leider irgendwann ein Ende und so packten wir am nächsten Morgen ein letztes Mal unsere Sachen zusammen. Diesmal etwas hektischer, denn es kündigte sich wieder Regen an und wir wollten wenigstens alles einigermaßen trocken einpacken. Dann ging es auch schon zurück Richtung Kanu-Camp. Nach knapp 50 Kilometern auf dem Wasser erreichten wir den Endpunkt unserer Reise, an dem wir wieder von Stefan empfangen wurden. Er brachte unser ganzes Gepäck zurück zum Kanu-Camp, während wir die letzte Wanderung unseres Abenteuers antraten und alles noch einmal Revue passieren ließen.
Im Camp angekommen verabschiedeten sich vier Teilnehmer relativ schnell auf dem Weg nach Hause. Celina, ein weiterer Teilnehmer und wir beschlossen, noch eine Nacht im Kanu-Camp zu bleiben und einen letzten Abend außerhalb jeglicher Zivilisation zu genießen – zumindest fast. Wir hatten alle mega Lust auf eine kalte Cola und eine Pizza und so empfahl uns Stefan eine kleine Pizzeria im Nachbarort. Wir fuhren dorthin und bekamen die beste schwedische Pizza, die ich je gegessen habe. Okay – es war auch meine erste, aber sie war unfassbar lecker. Und die Cola erst … Am nächsten Tag stand dann leider auch für uns die Heimreise an.
Zusammenfassend kann ich einfach nur sagen, dass diese Reise unsere Erwartungen bei Weitem übertroffen hat. Celina ist eine tolle, lustige und immer motivierte Reiseleiterin, die die Tour zu etwas ganz Besonderem gemacht und mit vollem Herzen geplant hat. Wir waren eine großartige Truppe mit unterschiedlichsten Charakteren und harmonierten trotzdem super miteinander. Die Hunde waren glücklich und zufrieden und am Ende mindestens genauso kaputt wie wir, nicht weil sie so viel gelaufen sind, sondern wegen der vielen Eindrücke, die sie sammeln durften – Eindrücke, die die wenigsten Hunde in ihrem Leben erleben dürfen.
Wir hatten tolle Tage auf dem Wasser mit Wettrennen im Kanu, die nicht immer ganz fair waren, Angeln, Insel-Eroberungen, Stockbrot backen, „Kuh-Muhen“, das sich später als Elchrufe entpuppte, Lagerfeuerabenden, Natur pur, Digital Detox – obwohl überall Empfang war, nutzten wir unsere Handys fast nur zum Fotografieren – und vielem mehr.
Würde ich die Reise weiterempfehlen? Definitiv.
Und auch wir als Paar mit unseren zwei Hunden waren definitiv nicht das letzte Mal mit Celina und ihren Gipfelpfoten unterwegs – und auch nicht das letzte Mal mit unseren Hunden im Kanu in Schweden. Diese Tour hat uns und unsere Hunde noch mehr zusammengeschweißt. Ich bin unglaublich dankbar für unsere tollen Hunde, die jeden Quatsch mit uns mitmachen, und dafür, dass Celina diese traumhafte Reise geplant und durchgeführt hat.
